HOT

Der handlungsorientierte Therapieansatz (HOT)
Die Abkürzung HOT steht für HandlungsOrientierter Therapieansatz, der ursprünglich von der Logopädin Marianne Reddemann-Tschaikner für Kinder mit Spracherwerbs- und Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen entwickelt wurde. Diese Kinder hatten Schwierigkeiten in den Bereichen Morphologie bzw. Syntax, Sequenzierung in Handlung und Textentwurf, Wortschatz- und Wortfindung und in der Formulierung. Einige hatten darüber hinaus Sprachverständnis- und Aufmerksamkeitsprobleme, Schwierigkeiten beim Problemlösen und Erstellen eines Handlungsplans.

Der HOT entstand aus dem Bedürfnis, den Kindern bei der Verbesserung dieser vielschichtigen Problematik zu helfen. Der handlungstheoretische Rahmen des HOT stützt sich auf das Konzept von Dr. Irina Weigl über den Zusammenhang von Handlung und Sprache, das auf ihre Untersuchungen zum Spracherwerb und zur Kognition im Kleinkind- und Vorschulalter zurückgeht. Die Einsatzmöglichkeiten dieser Therapieform sind vielfältig – sie reichen von Sprachentwicklungsstörungen bis zur Sprachförderung von Vorschulkindern und Kindern mit Migrationserfahrungen. Auch bei Kindern mit Down-Syndrom oder Autismus kann der HOT erfolgreich eingesetzt werden.

Nach J. Piaget ist die Entwicklung von Denken und Sprache unmittelbar mit den Handlungen des Kindes verknüpft. Deshalb stellten M. Reddemann-Tschaikner und Dr. I. Weigl die Einheit von Handlung und Sprachproduktion in den Mittelpunkt ihres Therapieansatzes. Untersuchungen haben gezeigt, dass sinnvoll miteinander verknüpfte Alltagshandlungen, sog. „Skripts“, am besten geeignet sind, den HOT durchzuführen. Dabei gibt die klare Struktur in fünf Phasen den Kindern Sicherheit und Orientierung. Beispiel Kochen: Die Handlungsmuster sind weitgehend festgelegt und den Kindern vertraut. Sie freuen sich über das Handlungsresultat und sind motiviert, das Erlernte zu wiederholen. Im Dialog zwischen Therapeutin und Kind werden Handlungen systematisch und redundant versprachlicht. Das Ordnen, Zuordnen und Kategorisieren der Zutaten, Materialien und Geräte fördert das situative Wissen, fördert Wortfindung und Wortschatz und führt zum Aufbau einer altersentsprechenden Formulierungsfähigkeit. Ganz allgemein führt der HOT zu einer deutlichen Steigerung der Kreativität der Kinder.

Inzwischen wurde und wird der Ansatz in sehr unterschiedlichen Bereichen der Sprachförderung mit Kindern und Erwachsenen eingesetzt. Zusammen mit Marianne Reddemann-Tschaikner und dem Verein „kulturkaviar für alle“ e.V. konnte das Konzept in der Sprachförderung mit einer Gruppe junger Geflüchteter in einer Pilotstudie erprobt werden. Das Kinderkulturhaus Lohbrügge nutzt den HOT aktuell in einem handlungsorientierten (Sprach-)Training. Aus der Therapie entwickelte sich ein auf die Bedürfnisse der Gruppe angepasstes Training! Sprachförderung in Kleingruppen mit Kindern im Grundschulalter – weitere Infos gibt es auf der KiKu-Seite.

Fortbildung 2019
Aktuell ist die Gabriele Fink Stiftung auf der Suche nach Partnerinstitutionen, um eine Fortbildung für interessierte Erzieher*innen und Lehrer*innen anzubieten. Der aktuelle Schwerpunkt wird dabei im Elementarbereich/ Brückenjahr/ Grundschule liegen.

Die Stiftung bietet:
– eine 1,5-tägige Fortbildung für Pädagog*innen (Juni oder August 2019)
– Material für den Start in den jeweiligen Einrichtungen
– Hospitation/Supervision in der Umsetzungsphase im Jahr 2019/2020
Der Transfer wird von der Gabriele Fink Stiftung organisiert und finanziert.

Voraussetzungen:
– Möglichkeit zur Teilung der Klasse/Gruppe (ca. 4-10 Kinder)
– Freistellung des zu schulenden Personals an 1,5 Fortbildungstagen
– sowie für weitere kürzere Feedback-Termine (Supervision/Hospitation bei der Umsetzung)
– Es müsste gewährleistet sein, dass das Konzept in wöchentlichen Einheiten im Jahr 2019/20 umgesetzt wird

Interessierte Einrichtungen können sich gerne an uns wenden:

Projekt: 50-HOT-Skripts
Derzeit arbeitet die Gabriele Fink Stiftung mit dem Kinderkulturhaus Lohbrügge an einem Grundstock von 50 HOT-Skripts, die den Einstieg in die Arbeitsmethode weiter erleichtern wird. Dieses Material wird den teilnehmenden Einrichtungen zur Verfügung gestellt.

Die Liste unserer Programme